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Eine Kolumne von Meret Sandmann

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Wie die ketogene Ernährung bei Prädiabetes und Fettleber gezielt wirkt

Eine randomisierte Studie der Washington University School of Medicine liefert die bisher sauberste Antwort auf eine Frage, die ich in der Praxis jede Woche höre: Lohnt sich Ketogenese, wenn…

Meret Sandmann, Integrativer Gesundheitscoach und Sportphysiologin·aktualisiert 01. September 2026

Wie die ketogene Ernährung bei Prädiabetes und Fettleber gezielt wirkt

Eine randomisierte Studie der Washington University School of Medicine liefert die bisher sauberste Antwort auf eine Frage, die ich in der Praxis jede Woche höre: Lohnt sich Ketogenese, wenn Bauchfett, erhöhter Nüchternzucker und verfettete Leber gleichzeitig auf dem Tisch liegen? Nach den Daten, die am 27. August in Cell Metabolism veröffentlicht wurden, ja – zumindest wenn man Leber und Blutzucker als Ziel nimmt und nicht nur die Waage.

Was die Studie tatsächlich gemessen hat

55 Erwachsene mit metabolisch ungünstiger Adipositas, erhöhtem Blutzucker und übermäßiger Leberverfettung bekamen rund fünf Monate lang alle Mahlzeiten gestellt und sprachen wöchentlich mit Ernährungsberatern. Drei Gruppen, drei Kostformen: sehr kohlenhydratarm ketogen, kohlenhydratreich und pflanzenbetont, sowie mediterran. Alle drei Gruppen verloren ungefähr zehn Prozent ihres Ausgangsgewichts. Die Insulinsensitivität der Muskulatur verbesserte sich in allen Gruppen um rund fünfzig Prozent – ein klares Signal, dass die Gewichtsreduktion selbst den größten Teil der Insulinresistenz aufgebrochen hat, unabhängig von der Makroverteilung.

Hier wird es interessant für alle, denen Leber und Zucker wichtiger sind als die Kilos auf der Waage:

  • Die Insulinsensitivität der Leber verbesserte sich unter ketogener Ernährung zwei- bis dreimal stärker als unter den beiden Vergleichsdiäten.
  • Der Leberfettgehalt sank ketogen um 67 Prozent, mediterran und kohlenhydratreich nur um 45 Prozent.
  • Der 24-Stunden-Blutzucker sank ketogen um 20 Prozent gegenüber 8 Prozent in den Vergleichsgruppen.
  • Der Insulinspiegel im Blut fiel ketogen um 74 Prozent, mediterran um 44 Prozent, kohlenhydratreich um 27 Prozent.
  • Prädiabetes kehrte sich bei 50 Prozent der Ketogen-Gruppe um, gegenüber 29 Prozent unter mediterraner Kost und 7 Prozent unter kohlenhydratreicher Ernährung.

Was das für die Praxis bedeutet

Die Studie zeigt zwei Dinge, die selten so klar nebeneinanderstehen. Erstens: Wer signifikant abnimmt, gewinnt metabolisch – egal mit welcher Makrostrategie. Wer nur das eine ohne das andere sucht, baut sich ein Luftschloss. Zweitens: Wer bei Fettleber und Prädiabetes gezielt eingreifen will, bekommt mit ketogener Ernährung einen messbar stärkeren Hebel – vorausgesetzt, die Compliance steht. In dieser Studie wurde das durch gelieferte Mahlzeiten und wöchentliche Betreuung abgesichert, also unter kontrollierten Bedingungen, die im Alltag meiner Klienten selten gegeben sind.

Bevor jetzt jemand eigenmächtig auf Ketogenese umstellt: Eine bestehende Fettleber und Prädiabetes sind ein medizinischer Befund, kein Lifestyle-Experiment. Blutwerte, Medikamente und individuelle Risiken gehören in ärztliche und ernährungstherapeutische Hände. Was die Studie aber liefert, ist ein präziserer Rahmen für die Frage, welche Diätform bei welchem metabolischen Ziel den größeren Effekt verspricht.

Worauf ich jetzt achte

Die Probandenzahl von 55 ist solide für eine mechanistische Studie, aber klein für populationsweite Aussagen. Die ketogenen Effekte auf Leberfett und Blutzucker waren konsistent und biologisch plausibel, nicht nur ein statistisches Strohfeuer. Was fehlt, sind Langzeitdaten jenseits der fünf Monate – allen voran die Frage, ob die metabolischen Vorteile halten, wenn die strikte Low-Carb-Phase endet und wieder mehr Kohlenhydrate auf den Teller kommen. Bis dahin gilt: Die Makros entscheiden nicht allein. Schlaf, Krafttraining und eine ausreichende Proteinmenge bleiben die drei Konstanten, die jede Diätform tragen müssen – Ketogenese eingeschlossen.

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