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Eine Kolumne von Meret Sandmann

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Die perfekte Balance: So kombinieren Sie Ausdauer und Krafttraining effizient

Wer Ausdauer trainiert und gleichzeitig Kraft aufbauen will, kennt das Dilemma: Beides unter einen Hut zu bringen fühlt sich oft an wie ein unlösbarer Zielkonflikt.

Meret Sandmann, Integrativer Gesundheitscoach und Sportphysiologin·aktualisiert 02. September 2026

Die perfekte Balance: So kombinieren Sie Ausdauer und Krafttraining effizient

Dass sich daran etwas ändert, zeigt jetzt eine Partnerschaft zwischen dem Trainings-Technologieunternehmen Kinesis Integrated und dem Rose-Hulman Institute of Technology, wie Fitt Insider berichtet. Für alle, die abends auf die Laufstrecke gehen und morgens ins Gym – also für rund 90 Prozent meiner Klientel – ist das mehr als eine Sportmeldung.

Der eigentliche Bruch: Kraft als isoliertes Programm

Über Jahre habe ich in meiner Praxis dieselbe Beobachtung gemacht. Läufer, die ihr Krafttraining als separates Programm behandeln, landen fast immer im Übertraining oder in einer Stagnation. Das ist kein Charakterfehler, sondern ein strukturelles Problem. Kraft- und Lauftraining wurden historisch getrennt geplant. Der Coach hat die Laufvolumina, Intensitäten und Renntermine vor sich – aber die Übersetzung in eine passende Kraftbelastung kostet Zeit, Erfahrung und manuelle Abstimmung.

Kinesis geht jetzt einen anderen Weg. Die Plattform nimmt sportartspezifische Trainingsdaten auf und leitet daraus individuelle Kraftverordnungen ab. Das Prinzip in einer logischen Kette: Sporttraining → Workload-Analyse → Kraftverordnung → Athletenreaktion → angepasstes Training. Der Lauf bleibt der Referenzpunkt. Kraft ergänzt die Anforderungen des Laufens, statt dagegen zu arbeiten.

Was das für deinen Trainingsalltag bedeutet

Christopher Lee, Gründer und CEO von Kinesis, formuliert den Anspruch klar: Das Ziel sei nicht, dem Coaching-Prozess eine weitere Komplexitätsebene hinzuzufügen, sondern das bestehende System schlauer zu machen. Für unsereins heißt das: Die Frage ist nicht „Wie viel Kraft?", sondern „Wann und in welcher Dosis, bezogen auf das, was ich diese Woche gelaufen bin?"

Ein praktisches Beispiel: Ein Klient mit 40 Laufkilometern pro Woche braucht am Dienstag nach einem langen Sonntagslauf eine andere Kraftbelastung als am Donnerstag vor einem lockeren Dauerlauf. Wer das nicht differenziert, bekommt entweder müde Beine ohne Reiz oder ein Kraftprogramm, das die Erholung der Laufwoche frisst.

Was mir an dem Konzept gefällt: Es ersetzt den Coach nicht. Lee sagt selbst, dass Coaches die Entscheidungsträger bleiben sollen. Die Technologie aggregiert Daten und übersetzt sie in etwas Handlungsfähiges. Genau das ist der Punkt, an dem die meisten Fitness-Apps scheitern. Sie geben vor, das Denken abzunehmen, und liefern am Ende generische Workouts.

Worauf ich jetzt achte

Die Partnerschaft läuft saisonbegleitend mit den NCAA-Division-III-Cross-Country- und Track-&-Field-Programmen von Rose-Hulman. Spannend wird, ob sich die individuelle Dosierung in der Wettkampfleistung niederschlägt – oder ob der Ansatz am Ende wieder bei Standard-Kraftplänen landet. Parallel dazu veröffentlicht Medscape aktuell einen Beitrag zur Balance zwischen Cardio und Krafttraining, und BODi bringt mit „MAX BUILT by Shaun T" ein neues Programm für den Heimmarkt auf den Weg.

Mein Fazit nach dreißig Sekunden Nachdenken: Der „Sweet Spot" ist kein festes Verhältnis von 2:1 oder 3:1. Er ist eine Funktion dessen, was dein Sporttraining diese Woche von dir verlangt. Wer das ignoriert, trainiert doppelt und erholt sich halb. Fang diese Woche an, deine Kraftsitzung nicht als eigenes Universum zu planen, sondern als Antwort auf dein Lauftraining. Alles andere ist Ausdauer mit Selbstbetrug.

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