Wie das STAMINA-Programm die Lebensqualität bei Prostatakrebs spürbar verbessert
Ein strukturiertes Programm aus betreutem Ausdauer- und Krafttraining, Ernährungsberatung und Verhaltensunterstützung hat bei Männern unter Prostatakrebsbehandlung die Verschlechterung der…
Meret Sandmann, Integrativer Gesundheitscoach und Sportphysiologin·aktualisiert 08. September 2026

Warum die Durchhaltequote das eigentliche Ergebnis ist
Ein strukturiertes Programm aus betreutem Ausdauer- und Krafttraining, Ernährungsberatung und Verhaltensunterstützung hat bei Männern unter Prostatakrebsbehandlung die Verschlechterung der Lebensqualität um bis zu ein Drittel reduziert – das zeigt die STAMINA-Studie, deren Ergebnisse im Lancet Oncology veröffentlicht wurden. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der Effekt selbst, sondern die Tatsache, dass mehr als 80 Prozent der Teilnehmenden ihre Trainingseinheiten über volle zwölf Monate besuchten. In der Onkologie, wo Fatigue, Muskelschwund und psychische Belastung den Alltag massiv prägen, ist das eine Zahl, die man nicht wegwischen kann.
Was STAMINA konkret leistete
Die Studie rekrutierte 700 Männer mit Prostatakrebs aus 15 Krankenhäusern in England, die eine Androgen-Deprivationstherapie erhielten. Diese senkt den Testosteronspiegel, um das Tumorwachstum zu bremsen – mit erheblichen Nebenwirkungen: zentrale Adipositas, Knochendichteverlust, kardiovaskuläres Risiko, Erschöpfung, psychische Belastung. Das STAMINA-Programm setzte genau hier an: betreutes Ausdauer- und Krafttraining in speziell geschulten Fitnesscentern, individuelle Ernährungsberatung und Verhaltensunterstützung.
Die Ergebnisse überzeugen auf mehreren Ebenen. Teilnehmer, die regelmäßig am Programm teilnahmen, berichteten weniger Fatigue und eine bessere krebsspezifische Lebensqualität – über die körperlichen, funktionellen, emotionalen und sozialen Dimensionen hinweg. Und die Kosten-Nutzen-Analyse? Laut den Autoren liegt das Programm deutlich unter dem Schwellenwert, den die britischen Gesundheitsbehörden für Krebstherapien ansetzen. Die Modellierung zeigt eine hohe Wahrscheinlichkeit der Kosteneffizienz über bis zu zehn Jahre – selbst unter Berücksichtigung der Schulungskosten für das Personal.
Das gleiche Prinzip, andere Population
Interessant für unsere Leserschaft: Dieses Muster – strukturiert schlägt unstrukturiert – zeigt sich nicht nur in der Onkologie. Die LatAm-FINGERS-Studie, finanziert von der Alzheimer's Association und ebenfalls im Lancet publiziert, untersuchte 1.065 ältere Erwachsene über zwei Jahre in elf lateinamerikanischen Ländern. Das Programm kombinierte betreutes Training, Ernährungsberatung nach einer modifizierten MIND-Diät, kognitives Training und Gruppentreffen.
Das Ergebnis: 55 Prozent größere Verbesserungen der globalen Kognition im Vergleich zu allgemeinen Gesundheitstipps. Gedächtnis, exekutive Funktionen und Verarbeitungsgeschwindigkeit profitierten ebenfalls stärker. Entscheidend war auch hier die Struktur: Teilnehmer, die regelmäßiges Coaching und Unterstützung erhielten, schnitten am besten ab. Die Programme wurden kulturell adaptiert – Ernährungsempfehlungen berücksichtigten lokale Lebensmittel wie Avocado, Quinoa und Chia, Bewegungsoptionen umfassten Salsa und Training in öffentlichen Parks.
Was das für die Praxis bedeutet
Zwei Studien, zwei völlig unterschiedliche Populationen, ein gemeinsames Ergebnis: Strukturierte Lebensstilinterventionen mit professioneller Begleitung liefern messbare Vorteile – und die Menschen bleiben dabei. Das ist der Punkt, der mich als Praktikerin am meisten interessiert. Motivation ist ein schlechter Plan. Ein betreutes Programm mit klar definierten Trainingseinheiten, Ernährungsberatung und regelmäßiger Begleitung erzeugt genau jene Konsistenz, die den Unterschied macht – ob es um Muskelerhalt unter Krebstherapie oder um kognitive Resilenz im Alter geht.
Für Kliniken und Praxen, die solche Programme erwägen, ist die STAMINA-Studie ein starkes Argument: Die Wirksamkeit ist belegt, die Kosteneffizienz nachgewiesen, die Umsetzung über spezialisierte Fitnesspartner machbar. Für Einzelpersonen bleibt die Kernbotschaft: Suchen Sie sich professionelle Struktur, nicht die nächste Motivationsapp. Die Zahlen sprechen für sich.
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