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Eine Kolumne von Meret Sandmann

Meldung

Warum personalisierte Ernährung beim Abnehmen besser funktioniert als Kalorienzählen

Nach Angaben von EurekAlert! haben in einer Studie mit mehr als 5.000 Teilnehmenden 83 Prozent unter einem personalisierten Ernährungsprogramm Gewicht verloren – ohne Kalorien zu zählen oder Lebensmittel einzuschränken.

Meret Sandmann, Integrativer Gesundheitscoach und Sportphysiologin·aktualisiert 28. August 2026

Warum personalisierte Ernährung beim Abnehmen besser funktioniert als Kalorienzählen

Das ist für die Ernährungsberatung relevant, weil es einen verbreiteten Glaubenssatz infrage stellt: Abnehmen müsse zwingend mit permanenter Zahlenkontrolle und Verzicht funktionieren. Die Meldung stammt aus einem Forschungsumfeld von ZOE und dem King’s College London, liefert in der vorliegenden Zusammenfassung aber keine Details zu Studiendauer, Vergleichsgruppe oder den konkreten Kriterien der Personalisierung.

Personalisierung ist kein Freifahrtschein

Ich sehe in der Praxis immer wieder, wie Menschen an Kalorien-Apps scheitern. Nicht aus mangelnder Disziplin, sondern weil das System ihren Alltag ignoriert. Wer jede Mahlzeit wie eine kleine Buchhaltung behandeln muss, hält das oft nicht dauerhaft durch. Der Kopf ist kein Tabellenkalkulationsprogramm. Überraschung: Er hat auch keine Lust, sich dafür ausbilden zu lassen.

Die aktuelle Meldung setzt deshalb an einem sinnvollen Punkt an. Ein personalisiertes Ernährungsprogramm soll nicht pauschal eine bestimmte Kalorienzahl oder Verbotsliste vorgeben, sondern die Ernährung stärker an der jeweiligen Person ausrichten. Was genau dabei berücksichtigt wurde, geht aus den vorliegenden Fakten allerdings nicht hervor. Deshalb wäre es unseriös, aus den 83 Prozent eine allgemeingültige Erfolgsquote für jede Beratung oder jedes digitale Programm abzuleiten.

Der zentrale Unterschied liegt zwischen „keine Kalorien zählen“ und „keine Struktur brauchen“. Das eine schließt das andere nicht aus. Auch ohne Kalorientracking müssen Mahlzeiten, Portionsgrößen, Sättigung, Proteinversorgung, Bewegung und Alltag zusammenpassen. Personalisierung ersetzt keine Grundlagen. Sie entscheidet darüber, wie diese Grundlagen praktisch umgesetzt werden.

Was die Zahl von 83 Prozent aussagt – und was nicht

Die Zahl ist aufmerksamkeitsstark: Mehr als acht von zehn Teilnehmenden verloren laut EurekAlert! Gewicht. Zusätzlich wird berichtet, dass dabei weder Kalorien gezählt noch die Ernährung eingeschränkt werden musste. Das ist ein relevantes Signal für alle, die klassische Diätmodelle als belastend oder nicht durchhaltbar erleben.

Aber eine Zahl ohne Methodik ist noch kein fertiger Therapieplan. Aus den verfügbaren Angaben lässt sich nicht erkennen, wie lange die Teilnehmenden beobachtet wurden, wie viel Gewicht sie verloren oder ob das Gewicht anschließend stabil blieb. Ebenso fehlen Informationen dazu, wie das Programm konkret aussah und ob alle Teilnehmenden dieselben digitalen oder beratenden Elemente nutzten.

Für die Einordnung bedeutet das: Die Studie kann den Ansatz personalisierter Ernährung stützen. Sie beweist nicht, dass Kalorien grundsätzlich keine Rolle spielen. Der Energiebedarf des Körpers verschwindet nicht, nur weil er nicht in eine App eingetragen wird. Er wird lediglich nicht zum täglichen Kontrollinstrument gemacht. Das kann für manche Menschen eine praktikablere Form der Umsetzung sein.

Auch der Begriff „personalisiert“ verdient einen prüfenden Blick. Ein Programm ist nicht automatisch individuell, nur weil es nach einigen Angaben einen Plan ausspuckt. Entscheidend ist, welche Daten tatsächlich einfließen, wie Empfehlungen angepasst werden und ob Rückmeldungen aus dem echten Alltag berücksichtigt werden. Ein Plan, der auf Papier perfekt aussieht, aber zwischen Schichtdienst, Familie und Training kollabiert, ist nicht personalisiert. Er ist dekorativ.

Was Sie vor einer Entscheidung prüfen sollten

Wenn Sie ein solches Programm nutzen möchten, prüfen Sie zuerst, was „individuell“ konkret bedeutet. Werden lediglich Vorlieben abgefragt oder auch Essrhythmus, Sättigung, Trainingsbelastung und bisherige Erfahrungen berücksichtigt? Wird der Plan angepasst, wenn die Umsetzung nicht funktioniert? Und ist nachvollziehbar, worauf die Empfehlungen beruhen?

Ebenso wichtig ist die Frage nach der Erfolgsmessung. Geht es nur um das Gewicht oder auch um Alltagstauglichkeit und langfristige Stabilität? Die vorliegenden Quellen nennen den Gewichtsverlust, aber keine weiteren Ergebnisse. Mehr lässt sich daraus nicht belastbar ableiten.

Meine praktische Schlussfolgerung fällt deshalb nüchtern aus: Personalisierte Ernährung kann eine sinnvolle Alternative zum ständigen Kalorienzählen sein. Sie ist aber kein Abkürzungsprogramm und keine Garantie. Wer dauerhaft abnehmen will, braucht ein System, das fachlich plausibel ist, im Alltag funktioniert und regelmäßig überprüft wird. Die beste Methode ist nicht die strengste. Sie ist diejenige, die Sie unter realen Bedingungen tatsächlich umsetzen können – wiederholt, nicht nur an einem besonders motivierten Montag.